Unser Netzwerk

Nun sind wir drei Monate hier und inzwischen kennen wir sogar ein paar Leute. Der Amerikaner würde bei manchen schon von Freunden reden, wir Deutschen sind da ja doch manchmal zurückhaltend.

Facebook – hilfreiche Community

Schon vor unserem Umzug habe ich die tolle Gruppe „Tschüss Deutschland – Hello Michigan“ zu schätzen begonnen, denn dort findet sich die deutsche Community in Michigan mit lauter lauter „alten Hasen“, die mir schon die ein oder andere Frage beantworten konnten. Sei es zu Kindersitzen oder Containern. Auch haben wir dort unsere wunderbare Maklerin Judith gefunden. Absolut professionell,  mit Blick auf die deutsche und amerikanische Sicht. Sie hat uns von Anfang an auf Dinge hingewiesen, die wir beachten müssen, es gab sogar einen „Welcome-Guide“ für Michigan und wir waren in der glücklichen Lage, das Mietobjekt noch vor dem Umzug nach Michigan gefunden zu haben. Glücklicherweise hatte Stefan noch eine Dienstreise vor Abflug und so lagen alle Besichtungstermine für Häuser in dieser Zeit. Es war nicht leicht, das vollkommen in Stefans Hände zu geben, ich kannte die Objekte ja nur vom Foto, aber jetzt, wo wir im Haus wohnen, kann ich sagen, dass er es gut ausgesucht hat (ich kenne ja die anderen Objekte nicht ;)). Judith wohnt jedenfalls gleich um die Ecke und ich bin sicher, wir werden noch Zeit finden, uns zu unterhalten.

Ein Termin, der aus der Facebookgruppe heraus organisiert wird ist die German Coffee Table. Einmal im Monat treffen sich an einem Freitagmorgen bei Panera Bread hauptsächlich Frauen zum Kaffee und Austausch. Auch wenn ich erst zweimal dort war, habe ich dank dieser Gruppe schon so viele Tipps und Empfehlungen bekommen und mein Netzwerk erweitern können. Es ist spannend, wie viele der Familien, die wir hier kennenlernen dürfen, aus München kommen.

Quasi Nachbarn

So auch Suvi, sie wohnt gleich um die Ecke und wir können sie und ihre Familie mit dem Fahrrad besuchen. Das haben wir heute auch gemacht, um ein frisches Brot zu liefern. Dafür haben wir im Gegenzug Fahrradwerkzeug leihen dürfen, um Wütis Sattel hochzustellen. Auch Suvis Mann ist in der Automobilbranche, die Firma mit 3 Buchstaben, die in München im Frankfurter Ring / Weimarer Str. sitzt. Wahrscheinlich werden sich die Männer noch bei der Arbeit über den Weg laufen. Ein glücklicher Zufall will, dass Suvis Tochter und Wüti gemeinsam in die Kindergarten-Klasse gehen werden, worüber ich sehr froh bin, denn so hat er eine kleine Stütze. Sein verstehendes Englisch wird zwar immer besser, aber so eine kleine Stütze ist manchmal viel wert für die Motivation im Laufe des Schuljahres.

Suvi hat außerdem initiiert, dass ein paar Frauen sich am Freitag zu einer „Girls Night Out“ treffen, wir werden ins Sedona gehen, ich freue mich schon und werde berichten.

Schulfreundin

Unser großes Motzi hat mit ihrem besonderen Charme schon nach acht Wochen Schule eine Schulfreundin gewonnen. Wir lieben diese Familie, sie sind so freundlich, so nett und so unkompliziert. Eine richtige amerikanische Stütze. Sie sind interessiert an dem Austausch Deutschland – USA, ich kann Fragen über Dinge stellen, die mich interessieren und sie helfen mir, wenn ich Fragen habe, etwas nicht weiß oder sie geben Tipps, die uns das Leben erleichtern. Bei unseren Playdates dürfen wir uns Spielzeug für Motzekind ausleihen, letztens waren es eine Handvoll Barbies inkl. Sachen zum Umkleiden und ein Zauberstab von Elena von Avalor (der macht leider Musik, ich bin mir sicher, wir müssen ihn bald zurückgeben).

Ich habe Tara aus Deutschland eine Flasche Eierlikör und Schokoladenwaffelbecher mitgebracht, das kam mir so typisch Deutsch vor und sie hat sich augenscheinlich sehr darüber gefreut, als wir letzte Woche dort waren. Als ich ihr sagte, dass man es auch über Icecream kippen kann, war sie restlos begeistert und meinte, dass wir nun eine gemeinsame Sprache sprechen 😉

Die Pool-Nachbarn

Ein weiterer amerikanischer Anlaufpunkt sind unsere Nachbarn schräg gegenüber. Sie sprechen weit mehr Deutsch, als wir es jemals vermutet hätten, heute erst antworteten sie mit „bitteschön“ und „dankeschön“. Das sind die Nachbarn mit dem coolen Pool. Der Autoaufkleber verrät, dass sie Trump-Wähler- und Unterstützer sind, dabei darf die halbe Nachbarschaft ihren Pool benutzen, gleich welcher Nationalität sie sind. Sie haben uns ihre unbenutzten Gartenstühle überlassen und außerdem einen Farn für den Balkon, damit es schön aussieht. Wahrscheinlich war es ein Hinweis, dass unser Garten nicht schön genug ist, denn es ist ihnen unglaublich wichtig, dass die Nachbarschaft in Ordnung ist (wenn ein Haus in der Nachbarschaft darauf hinweist, dass es verwahrlost ist, dann kann es damit alle anderen Häuser ringsum in ihrem Wert senken und da es erst vor einiger Zeit eine Krise dieser Art gab, sind die Menschen hier wohl sehr empfindlich). Weil mir unsere häufige Pool-Nutzung aber schon peinlich ist und meine Kinder letztens noch an einem eher kalten Tag dafür gesorgt haben, dass der Pool „entkleidet“ werden muss und wir im Regenschauer endeten, habe ich eine Weise gefunden, etwas zurückzugeben. Ich habe Cinnamon Rolls gebacken, denn sie sagten, dass sie diese lieben. Und das größte Kompliment daraufhin war, dass sie sich in ihre Kindheit zurückversetzt fühlten und die Cinnamon Rolls das Gefühl hinterließen, als hätte ihre Mutter sie gebacken. Darauf war ich richtig stolz. Das Rezept ist in Kürze im Ordner Rezepte verfügbar, wir würden sie allerdings mit weniger Zimt und Zucker essen wollen.

Deutscher Stammtisch

Und dann gibt es noch den Deutschen Stammtisch. Einmal im Monat an einem Dienstagabend in einer Bar in der Nähe von Novi. Das ist von mir leider eine Dreiviertelstunde entfernt, umso besser, dass es eine Fahrgemeinschaft gibt. Bei meinem ersten Besuch vom Stammtisch waren wir eine riesige Runde Deutscher, total gemischter Herkunft. Einige waren auch aus Leipzig und Dresden. Es war ein spannender Abend, voll Networking und interessanten Gesprächen. Ich freue mich schon auf die nächste Runde.

Wer fehlt noch?

Es gibt noch ganz Viele, die noch unerwähnt sind, Steffie, die uns das Fahrrad ihres Sohnes verkauft hat, schon mit mir lecker, lecker Frühstücken war und nach ihrer Rückkehr aus Deutschland hoffentlich wieder für uns da ist, zumindest haben wir uns mal locker miteinander verabredet.  Wiebke, die Organisatorin der Coffee Table, deren Kinder mit meinen die Tablets geteilt haben, deren Bilder nun an unseren Wänden hängen und die uns ihre Erfahrungen zum Hausbau in den USA berichtet (keine Sorge, wir haben keine Pläne), Janet, die bald einen US-Bürger im Haus hat, die Mädels von der Fahrgemeinschaft und und und. Es tut gut, diese Menschen um uns zu haben, es macht erträglicher, dass ihr uns fehlt, unsere Freunde und Verwandte, aber auch Kollegen.

Ich weiß nicht, ob all diese Deutschen eine solche Solidarität und einen Zusammenhalt dieser Art in ihrer Heimat zeigen würden, aber es ist diese gemeinsame Erfahrung des Expats und des Verlassens der Heimat, die uns eint. Es gibt die geheime deutsche Liste, die verschickt wird, wenn Deutsche in ihre Heimat zurückgehen. Diese zeigt Gebrauchtes, dass aufgrund von Rückkehr verkauft wird.  Außerdem gibt es besagte Facebook-Gruppe, um Fragen zu stellen, um Sorgen zu teilen oder auch nur für Shoppingtipps. Schnittlauch habe ich aufgrund meines Netzwerkes dann nämlich doch endlich gefunden.

Es tut gut, über manche Eigenschaften leichter hinwegzusehen und sich selbst nicht so ernst zu nehmen – ich wünsche mir, das mitnehmen zu können.

 

 

 

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