Ich steh auf Kontrastprogramm

Nachdem ich nun mal eine ganze Woche ohne Familie unterwegs war, möchte ich auch ein paar Zeilen dazu schreiben. Eine Woche ohne Familie weil ich dienstlich auf einer unserer berüchtigten Schinder-Reisen unterwegs war. Kurze Erklärung dazu: unser Vertriebsleiter heißt eigentlich Schindler, aber weil er sich immer so lieb darum kümmert, dass uns auf Dienstreisen nicht langweilig wird, nennen wir das Reiseprogramm Schinder-Reisen ;).

Dieses Mal musste ich nicht Mitten ins Nirgendwo wie beim letzten Mal (da war ich in Iowa und da es außer riesigen Feldern dort nichts gab, habe ich weder einen Text noch Bilder dazu veröffentlicht), nein dieses Mal durfte ich ins schöne Kalifornien. Schön insbesondere deswegen, weil ich kein Wintermensch bin und somit auch dem Michigan Winter entfliehen konnte. OK, solche Sachen wie das hier, was wir uns kurz zuvor in der Nähe unserer Wohnung angeschaut haben, kann man dafür in Kalifornien eher nicht machen – außer in einer Kühlhalle:

Eisskulpturen unter freiem Himmel

Nun aber zurück zum Kontrastprogramm, der Dienstreise nach Kalifornien. Nach einem nicht ganz reibungslosen Flug, kam ich knapp 4h später als geplant in San José an (Anschlussflug auf Grund des Winterwetters verpasst). Da in San José die Hotels sehr teuer waren, hatte ich mich bei der Buchung entschlossen in Santa Cruz zu übernachten, was eine sehr gute Idee war. Dieses Urlauberparadies ist im Winter geradezu ausgestorben – man hat in jedem Fall im Januar seine Ruhe und das bei sehr angenehmen 20°C. Bildschön ist es hier auf jeden Fall – Pazifischer Ozean, dahinter Berge und viel unberührte Natur – so kann ich mir eine Dienstreise gefallen lassen.

Aber zuerst hieß es arbeiten – und bis zum Wochenende kam ich auch nicht dazu mir irgendwas von der Umgebung anzuschauen. Dafür lernte ich spannende Startups kennen und war in interessante Besprechungen vertieft. Aber auch dabei merkte man schnell den Kontrast zu Michigan: mal von der ganzen Atmosphäre in den Firmen abgesehen, die selbst bei mehreren Tausend Mitarbeitern Startup Charme versprühte, war auch vieles Andere so ganz anders als in Michigan (sind das wirklich noch die USA? Nicht dass das am Ende alles nur fake news sind…):

Wenn man unbedingt auffallen möchte, dann geht man einfach in Hemd und guten Hosen zu den Firmen. Nicht mal der Chef trägt hier so etwas. Dafür bestimmen Jeans und T-Shirts den vorherrschenden Kleidungsstil. Der Umgang ist absolut locker, aber trotzdem sehr bestimmt. Über Preise wird nicht gesprochen, Funktion und wie schnell die Reaktionszeit bei Problemen ist, ist dafür erheblich wichtiger. Essen und Trinken ist üblicherweise genauso selbstverständlich inklusive wie der Fitnessraum. Wie meinte ein Angestellter dort: üblicherweise komme ich mit 50$ für Essen und Trinken im Monat aus – ich muss mich ja nur am Wochenende alleine versorgen…

Und draußen auf der Straße? Im Supermarkt gibt es Niemanden der einem die ganzen Sachen einpackt, dafür muss man jede Plastetüte extra bezahlen (also ganz wie in der gerne verspotteten Servicewüste Deutschland) und auf den meisten Autobahnen gibt es die Carpool lane. Eigentlich gedacht als schnelle Spur für alle die nicht alleine im Auto sitzen (und ja, im Berufsverkehr stehen gerne 4 Spuren still und nur auf der Carpool lane geht es zügig voran), ist sie inzwischen gefühlt zur besten Begründung für ein Elektroauto geworden. Denn Elektroautos dürfen die Spur ebenfalls benutzen, egal wie viele Leute drinsitzen. Daher wäre inzwischen der Begriff „Tesla lane“ deutlich angebrachter, denn das war das dominierende Fahrzeug auf dieser Spur.

Forest of Nisene Marks State ParkForest of Nisene Marks State ParkForest of Nisene Marks State ParkAls endlich Wochenende war, machte ich mich erst einmal auf eine Wandertour quer durch den „Forest of Nisene Marks State Park“. Dank geringfügigem Jetlag (3h später gegenüber Michigan) war ich früh genug dran, um noch einen Parkplatz zu bekommen – auf dem Rückweg stand nur noch ein großes Schild da, dass leider alle Parkplätze belegt sind. Davon war ich zumindest beeindruckt, denn damit hätte ich im Januar gar nicht gerechnet. Gesehen habe ich aber auf dem ganzen Weg nicht mal eine handvoll Leute – wo auch immer die anderen waren.

 

 

 

Golden Gate Bridge von Norden4h und 20 km später war es gerade erst Mittag, so dass ich mich entschied, noch San Francisco hinten dran zu hängen.

Hier ging es natürlich zu allererst zur Golden Gate Bridge, über die ich erst gefahren und dann noch gelaufen bin. Dann entlang der Uferpromenade, quer durch die Stadt und zum Sonnenuntergang auf die Twin Peaks – zwei höheren Hügeln in der Stadt, von denen man eine herrliche Sicht über die Stadt hat.

und von SüdenBlick von der Golden Gate Bridge auf San Francisco

Abenddämmerung über SFASonnenuntergang über SFA

 

Den Sonntag verbrachte ich dann die meiste Zeit am Strand in Santa Cruz. Ich lief ein wenig mit den Füßen im Pazifik herum und entspannte mich. Da es leider nur noch 16°C waren und es eine Warnung vor gefährlichen Wellen und Strömungen gab, verzichtete ich auf Schwimmübungen…

Pazifik in Santa CruzNatural Bridges in Santa Cruz

 

Ja und damit war die Dienstreise dann auch schon wieder fast vorbei. Am Montag Weiterreise nach Los Angeles – aber von der Stadt habe ich außer dem Flughafen, dem Hotel und der Firma die ich besuchte gar nichts gesehen und dann mit dem Übernachtflieger wieder zurück nach Detroit (5h Flug + 3h Zeitverschiebung und schon ist die Nacht rum). Hier habe ich es dann zumindest noch geschafft, dass ich den Kollegen die ich am Mittwoch aufsuchte für immer im Gedächtnis bleiben werde… Bei der Begrüßung:
Kommst du direkt vom Flughafen?
Ja, ich kam heute Morgen an und bin dann mit dem Bus hierher gefahren.
Gibt es einen Bus vom Flughafen hierher?
Ja, ich bin mit dem Bus in der Michigan Avenue ausgestiegen und dann hierher gelaufen.
Mensch, hättest du mich angerufen, dann hätte ich dich doch abgeholt, du hättest doch nicht die ganze Strecke laufen müssen.

Anmerkung: die ganze Strecke war weniger als 1 Meile… Und da ich gerne jede Gelegenheit für Sport im Alltag ergreife, dachte ich mir: ich habe zwischen Ankunft am Flughafen und dem Termin so viel Zeit, da kann ich auch mal ausprobieren mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

Ja und nun wieder: Alltag im kalten, winterlichen Michigan… Winter nicht zu mögen und in Michigan zu sein, ist eine echt blöde Kombination 😉 Passend dazu zeigte mir meine Frau eine Karikatur: zu sehen Bob Ross vor einer komplett weißen Leinwand. Überschrift: Michigan. Unterschrift: man beachte wie schön ich Schnee auf den Schnee geschichtet habe 🙂

Familie Reh zu Besuch bei NachbarsSchnee? Ich seh keinen....

 

 

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