Ein trauriger Kindergeburtstag

Meine kleine Maus wurde SIEBEN

Das Jahr, auf das sie schon so lange gewartet hatte, denn endlich durfte auch sie in die Schule, endlich lesen und schreiben lernen (was sie mittlerweile so gut in einer fremden Sprache beherrscht, wer hätte das gedacht, bei all den Gedanken, die damals durch meinen Kopf schwirrten, ob wir diesen Schritt wagen können). Mein großes Mädchen ist im letzten halben Jahr so gewachsen, dass mir manchmal ganz schwindelig wird. Sie kann perfekt vom Englischen ins Deutsche schwenken, sich wunderbar mit ihren Klassenkameraden unterhalten, sie hat in der Fremde neue Freunde gefunden und so manche Tür auch für uns geöffnet. Mein großes Mädchen, dass so gerne malt, bastelt und mittlerweile auch kleine Briefchen und Liebesbotschaften an uns schreibt, die aber noch immer mit ihrem Dickkopf durch die Wand muss und so manches mal darauf aufmerksam gemacht werden muss, dass Teilen auch schön sein kann. Meine Große, wir sind so stolz auf dich, wenn du jeden Morgen mit deinem Schulrucksack in die Schule hüpfst, dich dort auf deine Freunde und Klassenkameraden freust und so viel Neues lernst und dann doch darüber motzt, dass es dir in Mathe nicht schnell genug geht. Überhaupt bist du noch immer unser kleines Motzekind, wenn die nicht so ungewöhnliche Kombination von Hunger und müde aufeinander trifft. Aber doch können wir dir nun die Welt erklären und wenn du nicht gerade schon genau weißt, wie die Welt sich dreht, bist du bereit, ganz viel zu lernen.

Die Vorbereitung

Nun aber zum Geburtstag der Großen. Denn zunächst einmal galt es zu planen, wo wir den Geburtstag überhaupt feiern. In ihrer Klasse gibt es die Regel, wenn man ein Kind einlädt, dass man dann alle einladen muss (Mädchen/Jungs/ganze Klasse). Wir hätten ganz viel Geld in die Hand nehmen können, dafür kann man einen Indoorspielplatz für deinen Geburtstag anmieten oder auch im Schwimmbad feiern, dann wäre der Teilnehmerzahl keine Grenzen gesetzt. Aber die Entscheidung stand, wir feiern wie immer, mit wenigen Kindern, mit einer Schatzsuche, mit Stockbrot über der Feuerschale und ganz vielen Spielen, wie Topfschlagen und Stopptanz.

Also machten wir uns Gedanken zur Feier. Die Einladungen meiner Großen haben mich überrascht, denn ich habe mit Einhörnern oder Pferden gerechnet, aber sie hat auf Meerjungfrauen bestanden und so machten wir uns Gedanken über Deko, Kuchenformen und Einladungen. Und so bastelten wir ganz besondere Meerjungfraueneinladungen für sieben Kinder und ich bat meine Maus, sie möglichst diskret in der Schule zu verteilen. Doch dann kam die Nachricht von der Lehrerin, dass wir doch bitte alle Mädchen einladen sollen und so bastelten wir noch drei Einladungen mehr und hofften darauf, dass nicht jeder zusagt. Und so war es dann auch. Dazu aber später mehr.

Der große Tag

Der eigentliche Geburtstag war an einem Samstag. Es gab ein Happy 7th Birthday Banner, einen Kuchen mit Happy Birthday Kerzen und die ersten Geschenke.

Da an diesem Tag noch der Schwimmkurs stattfand, haben wir die Kindergeburtstagsfeier auf den nächsten Tag gelegt. Es war ein ruhiger Tag, die Kinder waren super beschäftigt, mit dem neuen Tracing Pad (ein Lichttisch, mit dem man eigene Bildkreationen machen kann) zu malen und mit dem neuen Mikrophon zu singen, so dass es ein ganz gemütlicher Tag wurde. Bis Omas Anruf kam. Ein Anruf nachmittags um 4 aus Deutschland ist meist kein gutes Zeichen und als Oma ganz aufgeregt nur Stefan sprechen wollte, ahnte ich nichts Gutes. Opa wurde ins Krankenhaus gefahren, schon wieder gab es Probleme bei der Atmung und die Ärzte empfahlen, dass es gut wäre, alle aus der Familie zu informieren. Wir versuchten das alles noch von den Kindern fernzuhalten, denn bisher ging immer alles gut.

Die traurige Nachricht

Leider gab es nach kurzer Zeit einen erneuten Anruf von Oma und als mein Mann in Tränen ausbrach, wußte ich, dass Opa es nicht geschafft hat und wir mit den Kindern reden müssen. Ich musste nicht viel sagen, die Worte „Opa ist gestorben“ eröffneten ein Tränenmeer, zusammen legten wir uns einfach nur ins Bett und weinten zusammen. Mein kleiner Junge fragte, ob wir ihn nun nie mehr sehen würden und ich bejahte. Und nachdem die ersten Tränen getrocknet waren und wir uns gemeinsam in den Armen lagen, kam die Frage: „Warum ausgerechnet an meinem Geburtstag?“

 

Tja, wie soll man das beantworten. Ich habe ihr gesagt, dass wir somit immer ganz besonders an ihrem Geburstag an den Opa denken können. Dass wir so niemals vergessen werden, wann der Opa gestorben ist und irgendwann habe ich auch gesagt, dass wir ab sofort immer eine Kerze mehr an ihrem Geburtstag anzünden werden. Eine Kerze nämlich dafür, dass Freude und Leid oftmals ganz eng nebeneinander liegen und das Leid uns manchmal in den Momenten trifft, an denen wir es am wenigsten erwarten. (Kennt ihr das, wenn ihr abends noch mit den perfekten Worten einschlaft und am nächsten Tag zufrieden seid, dass ihr das so schön formulieren konntet und es aber nicht mehr hinbekommt, so hatte ich die perfekten Abschiedsworte im Kopf, da sie mir aber so perfekt gerade nicht einfallen, werde ich einen eigenen Beitrag für meinen Schwiegervater verfassen, ein Nachruf, der mir hoffentlich gelingen wird, so wie Leo ihn verdient hat!) Hier ist ein Bild von ihm von unserem letzten Ausflug, den wir machen konnten, bevor die Krankheit zuschlug:

 

Die Feier

Natürlich stellte sich auch die Frage, ob wir die Geburtstagsparty stattfinden lassen können, ob wir das gemeinsam schaffen können. Aber ich bin mir sicher, dass Opa gewollt hätte, das wir gemeinsam feiern und fröhlich sind. Und das waren wir auch. Eine liebe Freundin kam mir an dem Tag zur Hilfe, denn Stefan war verständlicherweise durch den Wind.

Und so hatten wir unsere Geburstagsparty, mein Mädchen bekam ihren gewünschten Schokoladenkuchen, wir machten eine Schatzsuche auf dem Schulspielplatz, tanzten Stopptanz, zeigten den amerikanischen Kindern Topfschlagen und hatten zum Schluss eine geliehene Feuerschale, auf der alle Stockbrot grillen konnten. Unsere Schaukel im Garten war voll besetzt mit Kindern und wir hatten ganz viel Spaß und haben den Moment genossen. Ich muss sagen, dass ich diesen Moment intensiver wahrgenommen habe, als andere Kindergeburtstage bisher. Wir waren ganz nah zusammen.

 

    

Wir sind in diesen Tagen auch als Familie ganz eng zusammengerückt, haben uns intensiver gespürt und waren füreinander da. Diesen Geburtstag so bewusst zu erleben, war ein Geschenk, das beste Geschenk, dass Leo uns allen machen konnten, denn es war das Spüren der Familie. Wir werden dich nie vergessen, danke, dass du für uns da warst!

 

1 thought on “Ein trauriger Kindergeburtstag”

  1. Meine liebe Familie in der Ferne. Wir sind ganz weit weg und doch ganz nah bei euch. Meine liebe Daniela, du hast ganz tolle Worte gefunden. Ich bin in Gedanken bei euch. Auch ich bin traurig über den Verlust, den ihr erlitten habt. Mir fehlen die Worte, auszudrücken, was wir fühlen, daher umarmen wir euch in Gedanken und wünschen euch allen die notwendige Kraft, den Schmerz zu tragen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.